Schützen wir die Kfz-LenkerInnen!?

Nach dem Motto „Schützen wir die Kfz-LenkerInnen!“ vor überlasteten Kreuzungen anstatt Schulkinder und Erwachsene vor Lärm, Abgasen und Verkehrsunfällen in Nebenstraßen versuchen Stadt und Bezirk seit Jahren Verkehrsberuhigungen in der Rebhanngasse oder Universumstraße zu verhindern. Überschießender Kfz-Verkehr solcher Kreuzungen soll über Nebenstraßen gewollt „abfließen“ können. Diesen Verdacht erhärten verkehrsplanerische Überlegungen der Stadt zum Mobilitätskonzept Nordwestbahnhof.

Wir berichten, was interessierte TeilnehmerInnen des „UrbanistInnencafés“ der Gebietsbetreuung am 13. Februar 2025 darüber von einem der AutorInnen des von der Stadt beauftragten Mobilitätskonzepts erfahren konnten.

Man fühlte sich bei den Ausführungen des Mobilitätskonzept-Autors und Verkehrsplaners Michael Skoric (Firma con.sens) zuweilen an Text und Musik des Wiener Kabarettisten Georg Kreisler (1922-2011) erinnert:

Schützen wir die Polizei (anstatt uns vor Polizeigewalt)!

…heißt es in einem seiner Lieder in Anspielung auf den Polizeiterror von Dollfuß und NS-Regime im Österreich der Zwischenkriegszeit.

Nordwestbahnhof „autofrei“ aber drum herum keine Verkehrsberuhigung

Natürlich ging es bei den verkehrsplanerischen Überlegungen der Stadt, die dem Mobilitätskonzept von Michael Skoric und seinen MitarbeiterInnen zugrunde gelegt wurden, nicht um Verkehrsterror gegen die Bevölkerung sondern um das glatte Gegenteil – zumindest auf dem Nordwestbahnhofgelände:

Eine „wichtige Zielvorgabe für den Nordwestbahnhof ist es, ein weitgehend verkehrsberuhigtes und autofreies Quartier zu schaffen“, heißt es im Mobilitätskonzept. Und diese Vorgabe würden auch die Zufahrten zu den Sammelgaragenplätzen des Neubaugebiets erfüllen. Im Mobilitätskonzept seien sie als verkehrsberuhigte Stichstraßen und Sackgassen ohne Parkplätze vorgesehen, erläuterte Skoric.

„Die meisten Stichstraßen sollen wie eine Begegnungszone und stark verkehrsberuhigt ausgestaltet werden, um eine hohe Aufenthaltsqualität zu gewährleisten.“
(Aus: MA 21 B, Mobilität am Nordwestbahnhof – Generelles Mobilitätskonzept, S. 54-55)

Doch deswegen werde es um das autofreie Quartier herum aber laut Skoric „nicht weniger Kfz-Verkehr“ geben. Sondern mehr, möchte man angesichts der von der Wiener Landesregierung als umweltverträglich beschiedenen, bis zu 6.400 möglichen, neuen Sammelgaragenplätzen für Kfz vermuten.

…weder in der Rebhanngasse…

Auch eine entsprechende Kfz-Verkehrsberuhigung á la Stichstraßen in der Rebhanngasse sucht man im Mobilitätskonzept vergebens. Sie sei von der Politik abgelehnt worden, beantwortete Skoric die Nachfrage eines Teilnehmers der Veranstaltung:
Die Ausführung als Sackgasse, Fahrradstraße oder Einbahn (in Richtung Norden) würde die Ampel-Kreuzung Nordbahnstraße/Taborstraße zu stark mit Kfz-Verkehr belasten. Daher im südlichen Teil der Rebhanngasse die Einbahn in Richtung Süden, über welche überschießender Kfz-Verkehr an der Ampel-Kreuzung vorbei abfließen kann.

Verkehrsführung Rebhanngasse
(Aus: MA 21 B, Mobilität am Nordwestbahnhof – Generelles Mobilitätskonzept, S. 88)

Der Politik ist offenbar der Schutz von Kfz-LenkerInnen vor Stau in der Kreuzung Nordbahnstraße/Taborstraße wichtiger als der Schutz von Schulkindern und AnrainerInnen vor Lärm, Abgasen und Verkehrsunfällen durch Transit-Verkehr in der Rebhanngasse.

Aktueller Stadtplan Wien Ausschnitt

… noch in der südlichen Universumstraße…

Laut Skoric sei der Wunsch eines Teilnehmers nach entsprechender Verkehrsberuhigung in der südlichen Universumstraße ebenfalls von der Politik abgelehnt worden:
Im Mobilitätskonzept ist lediglich eine „Attraktivierung, ggf. Fahrradstraße“ vorgesehen aber weder eine verkehrsberuhigende Sackgasse wie in den Stichstraßen des Nordwestbahnhofgeländes noch eine Umkehrung der Einbahn Richtung Norden (Hellwagstraße), die verhindert, dass die Ampel-Kreuzung Dresdner Straße/Hellwagstraße von Kfz aus der Hellwagstraße durch die Universumstraße umfahren werden kann.

Aktueller Stadtplan Wien Ausschnitt

…noch in der Nordwestbahnstraße!

Schließlich meinte Skoric zum Vorschlag eines Veranstaltungsteilnehmers, auch den Verkehr in der Nordwestbahnstraße zu beruhigen und dadurch geplante Ampeln einzusparen:
Es sei eine politische Frage, ob auch auf der Nordwestbahnstraße Tempo 30km/h verordnet wird.

Nicht zuletzt fand der Vorschlag einer Anrainerin beiderseitiger Radwege auf der Nordwestbahnstraße wie in der Praterstraße auch keinen Niederschlag im Mobilitätskonzept: Es sei eine Budget-Frage, ob ein solcher kommt, so Skoric. Außerdem müssten für einen zusätzlichen Radweg auf der Bestandsseite vom Nordwestbahnhof-Quartier noch weitere drei Meter zur Verbreiterung der Nordwestbahnstraße verwendet werden, die dann dem Neubaugebiet fehlen.

Was tun?

Doch es gibt am 27. April 2025 noch eine Möglichkeit, die Politik der Verweigerung von Verkehrsberuhigungen um das Nordwestbahnhofgelände herum abzuwählen:

Die Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahlen 2025 in Wien.

Acht Parteien bewerben sich heuer im Bezirk Brigittenau um unsere Gunst
(Brigittenauer Parteien in der Reihenfolge der Bezirksvertretungswahlergebnisse 2020):

Die SPÖ Brigittenau, die SPÖ Leopoldstadt
Die Grünen Brigittenau/Leopoldstadt
Die Wiener Volkspartei Brigittenau
FPÖ Brigittenau
NEOS Brigittenau
Links Brigittenau
Team HC Strache Brigittenau
Soziales Österreich der Zukunft (SÖZ)

Parteistatements in der Presse zur Verkehrsberuhigung in und um den Nordwestbahnhof


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