Grätzelbeirat 6. Juni 2023

Auf dem Grätzelbeirat der Gebietsbetreuung für Brigittenau und Leopoldstadt am 6.6.2023 wurden folgende Themen betreffend das Städtebauvorhaben Nordwestbahnhof behandelt:

  1. Umsetzung der neuen Straßenbahnlinie 12 (2024-2025)
    Frau Marlene Eistert (B.Sc.) – Projektleitungsstellvertreterin der Wiener Linien für die neue Straßenbahnlinie 12, die einmal auch das Nordwestbahnhofgelände durchqueren und es mit dem Nordbahnviertel verbinden soll – zeigte eine Präsentation der Straßenbahnlinie 12, anhand der sie die geplante Umsetzung der Neubaustrecke zwischen 20., Rebhanngasse und 2., Hillerstraße erläuterte.

    Grätzel-Delegierter für Zwischenbrücken und Sprecher der BI Nordwestbahnhof, Rolf Nagel, stellte zu den Ausführungen von Frau Eistert folgende Frage:
    Sollte die neue Straßenbahnlinie 12 nicht besser auf der Leystraße oder der Engerthstraße geführt werden statt auf der viel befahrenen Dresdnerstraße und Nordbahnstraße?

    (Anmerkung: Die Bürgerinitiative Nordwestbahnhof kritisiert den unzureichenden Umfang aber auch die Art des geplanten Öffi-Ausbaus: Die neu geplante 12er Linie hat zu wenig Kapazität für das Mobilitätsbedürfnis der 15.000 neuen BewohnerInnen. Der 12er muss sich die gleichen Gleiskörper mit weiteren Linien (2, 5, 33) teilen, die zudem vom deutlich erhöhten Kfz-Verkehr auf denselben Routen gebremst werden.)

    Der anwesende Bezirksrat und Vorsitzende der Verkehrskommission Leopoldstadt Stefan Glaubenkranz antwortete, dass die Führung des 12er über Leystraße oder Engerthstraße von der seinerzeitigen amtsführenden Stadträtin für Stadtentwicklung und Verkehr Maria Vassilakou abgelehnt worden sei.

    (Anmerkung: Bezirksrat und stellvertretender ​Vorsitzender der Verkehrskommission Leopoldstadt Wolfgang Kamptner teilte auf Nachfrage von Rolf Nagel mit, dass die Führung des 12er auf der Leystraße oder Engerthstraße nie im Gespräch gewesen sei und daher von Maria Vassilakou nicht hätte abgelehnt werden können)

  2. Nordbahnvierteltreff
    Rolf Nagel stellte folgende Frage:
    Warum gibt es keinen Nordwestbahn/Zwischenbrücken-, Stuwer- oder Volkert&Alliiertenvierteltreff?

    Die Antwort der Gebietsbetreuung GB* lautete:
    Das hängt mit dem Auftrag, den das GB*Stadtteilmanagement hat, zusammen. Unser Auftrag ist es, die Entwicklung der Stadtentwicklungsgebiete Nordbahnhof und Nordwestbahnhof zu begleiten und die dortigen Bewohner*innen zu vernetzen. In Zukunft wird der Nordwestbahnhof hier eine zentralere Rolle einnehmen. Für die Gründerzeitgebiete gibt es dafür die einmal jährlich stattfindenden Grätzelforen.

  3. Supergrätzl-Studie
    Rolf Nagel stellte folgende Frage:
    Wie stehen 2. und 20. Bezirk zur Anwendung der in der Pilotstudie Supergrätzel am Beispiel Volkertviertel empfohlenen Maßnahmen in ihren Bezirken?

    (Anmerkung: Die Bürgerinitiative Nordwestbahnhof kritisiert die fehlende Planung autofreier Quartiere – sogenannter „Superblocks“ oder „Supergrätzel“  –  auch rund um das Städtebauvorhaben Nordwestbahnhof herum:
    Um Lebensqualität in der Brigittenau zu erhalten und Smart City Ziele zu erreichen, müssen zusätzliche Quartiere als autofreie Viertel konzipiert werden.)

    Die schriftlich von der Bezirksrätin, ehemaligen Vorsitzenden der Verkehrskommission und jetzt neuen Bezirksvorsteherin Brigittenau Christine Dubravac-Widholm eingebrachte Antwort lautete:
    Dem 20. Bezirk ist der Inhalt der Studie nicht bekannt.

    Die Antwort aus der Leopoldstadt lautete gemäß Protokoll der Gebietsbetreuung GB*:
    Lt. Stefan Glaubenkranz werden die Maßnahmen als solche nicht umgesetzt, da div. Aspekte die Stadt Wien als Ganzes betreffen. Punktuell hätten jedoch schon Begrünungsmaßnahmen begonnen. Außerdem würden im Volkert- und Alliiertenviertel nun im Zuge des Stadterneuerungsprogramms WieNeu+ weitaus vielfältigere Maßnahmen umgesetzt werden (etwa die Umgestaltung des Volkertplatz). Eine Stellplatzreduktion sieht Herr Glaubenkranz als unrealistisch an, da die Garage in der Lessinggasse bereits eine Warteliste führe.

    (Anmerkung: Die „Pilotstudie Supergrätzel am Beispiel Volkertviertel“ empfiehlt vor allem verkehrliche Maßnahmen, die den motorisierten Durchzugsverkehr unterbinden, Fuß- und Radverkehr fördern und den öffentlichen Verkehr an den Außenkanten optimieren. Bei WieNeu+ findet man vergeblich verkehrliche Maßnahmen. Auf der Website des Wohnfonds Wien findet man als Teil der Sanierungsoffensive „Wie SAN Wien“ bzw. des Stadterneuerungsprogrammes WieNeu+ die Beschreibung des Auftrags zur Blocksanierung des Gebietes „Alliiertenviertel+“. Dieser sieht die Ausarbeitung von Verbesserungsvorschlägen mit Fokus auf Erneuerung von Wohngebäuden und Häuserblocks über die nächsten Jahrzehnte vor – verkehrliche Maßnahmen werden dort nur am Rande oder abstrakt thematisiert.)

  4. High Line Nordwestbahnhof
    Rolf Nagel stellte folgende Frage:
    Wird die geplante Radfahr- „High Line“ auf der Zulaufstrecke ebenerdig sein?

    (Anmerkung: Gemeint ist der geplante Fuß- und Radweg auf dem Damm der ehemaligen Nordwestbahn. Auf der Grätzelbeiratssitzung vom 7.3.2023 hatte Frau Christine Dubravac-Widhalm erklärt, dass die Zulaufstrecke ebenerdig sein werde, „da auch der Zug keine Berg- und Talfahrt hingelegt hat“, aber die Quelle, auf die sie sich bezog, nicht genannt.)

    Die wiederum schriftlich von Frau Christine Dubravac-Widholm eingebrachte Antwort dazu lautete:
    Herrn Nagel müssten die Einreichunterlagen der ÖBB bekannt sein (auf Grund des Einspruchs gegen die UVP). Anbei der entsprechende Teil der Einreichunterlagen, sowie ein Screenshot des entsprechenden Passus (Seite 118) in dem der Erhalt des Brückenbauwerks erwähnt wird. Die Aussage vom 7.3. bezog sich auf den Erhalt der Brücken. Die exakte Streckenführung der High Line ist – wie schon mehrmals erwähnt – nicht bekannt. Ich bleibe abermals bei meiner Feststellung, dass eine Berg- und Talfahrt für die „High Line“ keinen Sinn machen würde.

  5. Flächenwidmungsplan Straßenquerschnitte
    Rolf Nagel stellte folgende Frage:
    Welche verbindliche Informationen über die zukünftig vorgesehenen Breiten der Straßenquerschnitte für die verschiedenen Verkehrsarten aber auch zur Benutzung für andere Zwecke (Erholung /Entspannung/Kühlung/Freiflächen vor Geschäftskokalen … bzw. auch als Reserveflächen für zukünftig zunehmende Verkehrs- bzw. Aktivitäts-Formen) – auch rund um bzw. durch das Gelände des Nordwestbahnhofes – gibt es gemäß Flächenwidmumgsplan-Entwurf für den neuen Stadtteil am Nordwestbahnhof (Nordwestbahnstraße, Hellwagstraße, Rebhanngasse) und der fast schon fertiggestellten Bebauung des Nordbahnhofgeländes entlang der Nordbahnstraße, der Dresdnerstraße und der (verlängerten) Taborstraße?

    Die wiederum schriftlich von Frau Christine Dubravac-Widholm eingebrachte Antwort dazu lautete:
    Da der Flächenwidmungsplan in seiner Vorentwurfs-Version vorliegt, können leider keine verbindlichen Informationen geliefert werden, da dieser – wie der Begriff Vorentwurf schon aussagt – noch überarbeitet werden kann. Es wird – wie bei jedem Flächenwidmungsverfahren – eine öffentliche Auflage geben, bei der die entsprechenden Informationen eingesehen werden können. Während der öffentlichen Auflage können Stellungnahme zu den Entwürfen abgeben werden.


Posted

in

by

Tags:

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert